1 Einleitung

Diese Broschüre dient dem Zweck, die von uns erlebten Erfahrungen zu problematisieren, zentrale Module des Aufklärungsprogramms näher vorzustellen sowie diese anderen zugänglich zu machen und mit ihnen zu teilen. Wir möchten somit andere Menschen, die in diesem Aufgabenfeld oder einem vergleichbaren Kontext arbeiten in ihrer Arbeit und der Umsetzung entsprechender Vorhaben unterstützen. Gleichzeitig sind wir uns der Begrenzungen unserer Darstellungen sowie ihrer Unvollkommenheit bewusst, die ein Aufenthalt von nur wenigen Monaten mit sich bringt. In diesem Sinne betrachten wir diese Broschüre als Anregung, weniger als vollendetes Wissen und wollen so einen Beitrag leisten, gemachte Erfahrungen in die weitere interkulturelle Zusammenarbeit einmünden zu lassen.

Der direkte Kooperationspartner vor Ort war das örtliche Jugendbüro des National Youth Council im Verwaltungsbezirk Akatsi, Ghana (District Youth Coordinator Jerry Etse Agbo). Dieses Jugendbüro initiierte auch die Bildung eines Akatsi Jugendkomitees. Darüber hinaus bestanden auf Verwaltungsbezirksebene noch Kontakte zu Vertretern des Sozialamts sowie des Amts für Bildungswesen.
Alle genannten Einrichtungen waren an der Planung der HIV/AIDS-Aufklärungskampagne beteiligt. So konnten wir einen ersten Einblick in die örtlichen Sichtweisen und Einstellungen gewinnen. Die Bereitschaft dieser Partner, sich in die inhaltliche Konzeption des Programms einzubringen, war jedoch sehr gering. So erarbeiteten wir vor allem anfangs eine unbewusst sehr „europäische“ Konzeption. Diese Konzeption war stark wissensorientiert, fußte auf einem Zuviel an Material und zielte wenig auf Aspekte von Stigmatisierung und Bewusstseinsänderung ab. Mit fortschreitender Dauer versuchten wir die Kampagne einfacher, verständlicher zu machen und mehr zu visualisieren, um dadurch den Erfolg der Kampagne zu erhöhen. Dementsprechend ließen wir z.B. ein nicht eindeutiges Poster zur Erklärung des Kondomgebrauchs weg und ersetzten manche Tafeln des „Ampelspiels“ durch echte und greifbare Gegenstände.
Im Gegensatz zu diesem eher „aufdringlichen“ Programm verlängerte Sven Voigtländer seinen Aufenthalt und bot Gruppenberatung zu HIV/AIDS an. Die diesbezügliche Vorgehensweise war sehr viel sanfter und integrierter. Durch die Verwendung von Gesprächsforen wurden die Schwerpunkte den sich herauskristallisierenden Kategorien des Aufklärungsprogramms – Stigmatisierung, Ängste, unklare und sich widersprechende Informationen sowie Geschlechterfragen – besser gerecht. Einen Teil der Gruppenberatung bildete auch die Trennung der Gesprächsforen nach Geschlecht und Alter zur Förderung einer breiten Diskussion. Nicht zuletzt wurde der Koordination mehr Aufmerksamkeit geschenkt; Termine wurden eng mit den jeweiligen Orten, deren Kirchen sowie Schulen vereinbart und eine zuverlässige Transportmöglichkeit wurde im Vorfeld sichergestellt. Gegen Ende wurde dieses Verlängerungsprogramm mehrheitlich durch die ghanaischen Partner getragen.

Die kontinuierliche Abstimmung des Programms auf den lokalen Kontext erscheint uns von großer Bedeutung. Entsprechende Einflussfaktoren und zu beachtende Bedingungen waren in unserem Fall Grad der Alphabetisierung und das allgemeine Bildungsniveau, das Auseinanderfallen von Amts- und Regionalsprache, die Religiosität, die materielle Infrastruktur wie z.B. Transportmittel und Videorecorder und makroökonomische Daten wie das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Jahr.
Konkret hatte dies z.B. die ständige Begleitung durch Übersetzer, die Differenzierung des Programms nach Bildungstand, Zielgruppe, 12 bis 49-jährige in Schulen oder Gemeinden, und Religiosität zur Folge.

Ein weiterer zentraler Punkt in der Planung und Durchführung dieser HIV/AIDS-Aufklärungskampagne war in unseren Augen die fortwährende konzeptionelle Arbeit und Reflektion, ohne die man schlimmstenfalls nichts und niemanden erreicht. Neben den schon genannten Verbesserungen thematisierten wir beispielsweise jugendliche Schwangerschaft in Form einer frontalen Lehreinheit. Das war nicht besonders attraktiv, zumal die Konzentrationsfähigkeit auf Seiten des Publikums gegen Ende des Programms zunehmend schwand. Wir ersetzten die frontale Lehreinheit durch eine Kurzgeschichte und konnten so das Publikum mehr fesseln.

Abschließend möchten wir noch einige Punkte nennen, die uns als grundsätzlich in der Aufklärungsarbeit erscheinen. Neben Kontextbezogenheit und einem positiven Menschenbild sind Partizipation und Integration sowohl auf Seiten des durchführenden interkulturellen Teams als auch des Publikums wichtig. Dazu zählt auch die Zweisprachigkeit der Materialien. Auch ist in unseren Augen der Gesamtzusammenhang bedeutender als die vielen Details, so dass oft prägnante Vereinfachungen angemessen sind.
Zuletzt und besonders wichtig ist die Ausrichtung der Argumentationen an der Lebenswelt des Publikums. Argumentationen zu Stigmatisierung und deren Ursachen müssen an der Lebenswelt der Zuhörer ansetzen bzw. auf diese herab gebrochen werden, um wirksam eine Veränderung von Einstellungen zu ermöglichen.

Aus Gründen der Vereinfachung verwenden im Folgenden männliche Personenbezeichnungen, die sich jedoch ebenso auf die weibliche Entsprechung beziehen.

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