3 Weitere Module

Die im Rahmen dieser Dokumentation vorgestellten Module haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und so gibt es noch viele denkbare Methoden und Ideen. Diesen Abschnitt möchten wir dazu nutzen, ein paar weitere Methoden, die wir zum Teil auch angewandt haben, vorzustellen.

Zum einen sind das zwei Aktionsspiele.
Das erste Spiel basiert auf dem Unser-Körper-Rollenspiel und besteht darin, mit einer begrenzten Anzahl an Würfen, Büchsen zum fallen zu bringen. Die Büchsen werden als „Unser Körper“ und „Weiße Blutkörperchen“ dekoriert. Bei der Aufstellung umgeben die „Weiße Blutkörperchen“ „Unseren Körper“. Für die Würfe gibt es zwei Bälle, einen „HIV“-Ball zum Wurf auf die „Weißen Blutkörperchen“ und einen „AIDS“-Ball zum Wurf auf „Unseren Körper“. Sobald man die „Weißen Blutkörperchen“ mit dem „HIV“-Ball abgeschossen hat, darf man mit dem „AIDS“-Ball auf „Unseren Körper“ zielen.
Das zweite Spiel basiert auf den „Booten der Hoffnung“. Die Boote werden ähnlich einem Hindernisparcours angeordnet. Man darf sich nur auf den markierten Brücken und in den markierten Booten bewegen. Tritt man daneben, ist das Spiel verloren. Die Ausgestaltung ist sehr frei. So kann vielleicht von einem Boot zu nächsten gehangelt oder über ein schmales Brett balanciert werden.

Andererseits das Theater und Video.
Für ein (Puppen-)Theaterstück gibt es unter den verschiedenen Modulen viele Anknüpfungspunkte. Beispielsweise kann Leticia’s Geschichte erweitert und um Dialoge ergänzt werden, so dass man ein Drehbuch erhält. Die Referenten können das Theaterstück selbst einstudieren und vorführen oder in Zusammenarbeit mit einer örtlichen Jugendgruppe aufführen. Diese Zusammenarbeit hat den Vorteil, dass man sich näher kennen lernt und unterschiedlichste Themen wie z.B. HIV/AIDS, Sexualität und Geschlechterfragen, Gewalt und Zukunftsperspektiven aufwerfen kann.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Videos. Videos waren in Akatsi eine Attraktion schlechthin. Wir haben den simbabwischen Film „Yellow Card“, der jugendliche Schwangerschaft thematisiert, eines Abends auf dem Marktplatz gezeigt. In kürzester Zeit schauten tausend Menschen auf einen Fernseher. Wir nehmen an, dass nicht alle den englischsprachigen Film verstanden und wegen dem Ereignis der bewegten Bilder zuschauten.

Bei der Verknüpfung von unterschiedlichsten Methoden und Inhalten sind der eigenen Phantasie keine Grenzen gesetzt. Darüber hinaus finden sich auch viele Anregungen in Publikationen und im Internet (Siehe Quellenverzeichnis).

Auch bei der sich anschließenden ASA-HIV/AIDS-Awarenesskampagne im Jahr 2004 konnten die Module und Strategien weiterentwickelt werden. Ein Beispiel hierfür soll im Folgenden vorgestellt werden:

Wieso gibt es keine Medikamente? Eine Erklärungsstrategie

Während unserer Kampagne im Jahr 2004 wurden wir in den verschieden Dörfern und Schulen häufig mit ähnlichen oder gleichen Fragen des 35 Publikums konfrontiert. Die besondere Herausforderung bei der Beantwortung der Fragen war es, komplizierte medizinische Sachverhalte auf eine für das z.T. wenig gebildete Publikum verständliche Art und Weise zu erklären. Hierzu mussten wir unsere Erklärungen oft sehr weit vereinfachen und herunterbrechen.

Es erschien uns jedoch als besonders wichtig, jede Frage konzentriert und für das Publikum nachvollziehbar zu beantworten, da andernfalls immer die Gefahr besteht, das Interesse und die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren.

Anhand eines Beispiels wollen wir hier unsere Strategie bei der Beantwortung der Fragen dokumentieren.

Besonders häufig wurden wir gefragt, "warum noch keine wirksamen Medikamente zur Heilung von HIV/AIDS existieren?"

Zu Beginn der Kampagne beschränkte sich unsere Antwort auf diese Frage auf den Hinweis, dass Forscher auf der ganzen Welt mit Hochdruck daran arbeiten, einen Wirkstoff zu entwickeln, der eine Heilung von HIV/AIDS ermöglicht. Weiterhin erklärten wir, dass dies leider bisher nicht gelungen sei, da das HI-Virus besonders "intelligent" ist und sich schneller "entwickelt" und verändert, als die Forscher nachvollziehen können. Wir verwiesen jedoch auch darauf, dass das HI-Virus erst seit knapp 25 Jahren bekannt ist und machten am Beispiel der Tuberkulose deutlich, dass die Menschen an manchen Krankheiten Jahrhunderte leiden, bevor ein wirksames Medikament gefunden ist.

Aufgrund der vielen Nachfragen wurde uns jedoch schnell bewusst, dass wir in diesem Punkt genauer sein mussten, da der Verdacht in der ghanaischen Bevölkerung, dass HIV von "den Weißen" erfunden wurde, um "die Schwarzen" zu vernichten und ihnen folglich auch ein Gegenmittel vorenthalten wird, weit verbreitet ist.

Daraufhin begannen wir, anhand einfacher, mit einem Stöckchen angefertigter, Zeichnungen auf dem Sandboden bzw., wenn vorhanden, auf einer Tafel oder einem Stück Tischlerplatte die Problematik der sich auf Virushülle stetig verändernden Proteine darzustellen.

Skizze

Zuerst zeichneten wir einen Kreis als Symbol für das HI-Virus, dass dann von einem zweiten Kreis, der Virushülle (bzw. des Gesichts des Virus/"Face" oder "Appearance", um es für das Publikum nachvollziehbarer zu machen), umschlossen wurde. An die äußere Hülle zeichneten wir dann ein symbolisches Medikament, an dessen Entwicklung die Wissenschaftler arbeiten. Erklärend stellten wir dabei fest, dass, bevor die Wissenschaftler ein solches Medikament fertig stellen können, der Virus sich aufgrund seiner besonderen "Intelligenz" schon wieder ein "neues Gesicht" zulegt, was wir anhand eines weiteren Kreises, mit veränderter Hülle, darstellten. An die neue Hülle malten wir das "alte," sich in der Entwicklung befindliche Medikament, um deutlich zu machen, dass es nicht mehr zum "neuen Gesicht" des Virus passen würde. Anhand eines dritten Kreises mit erneut veränderter Hülle und eines weiteren Medikamentensymbols erläuterten wir, dass sich dieser Vorgang ständig und mit großer Geschwindigkeit wiederholt und es deshalb so schwierig für die Wissenschaftler ist, ein wirksames Medikament gegen das HI-Virus zu finden.

Natürlich stellt der von uns gewählte Erklärungsansatz eine an sich unzulässige Vereinfachung der tatsächlichen Vorgänge dar. Durch die Visualisierung unserer Erklärungen waren selbige für das Publikum jedoch wesentlich besser nachzuvollziehen und uns wurde in diesem Punkt mehr Glauben geschenkt.

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